Der globale Pharmamarkt bleibt auf Wachstumskurs, wenn auch deutlich langsamer als zuletzt prognostiziert
Laut der jüngsten Prognose des IQVIA Thought Leadership Teams wird der weltweite Pharmamarkt– exklusive Impfstoffe und auf Basis konstanter Wechselkurse – von rund 1,86 Billionen USD im Jahr 2025 voraussichtlich auf rund 2,58 Billionen USD im Jahr 2030 anwachsen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 6,8 %.
Hinter dem Gesamtwachstum stehen sehr unterschiedliche Marktlogiken: In den USA bleibt das hohe Preis- und Innovationsniveau entscheidend, Europa trägt weiter verlässlich zum Marktwert bei, während China und Japan deutlich schwächer wachsen. Gleichzeitig drücken Patentabläufe, stärkere Preisprüfungen und der zunehmende Einsatz von Generika und Biosimilars auf die Wachstumsraten. Für Unternehmen reicht es daher nicht, das globale Plus von 6,8 % als positives Signal zu lesen. Entscheidend wird, in welchen Ländern ein Launch tatsächlich Preis, Zugang und Volumen verbinden kann.
Globales Wachstum: robust, aber nicht linear
Die neue Prognose zeigt zwar einen starken Gesamttrend, aber auch eine schrittweise Abschwächung der jährlichen Wachstumsraten. Nach 8,6% Wachstum im Jahr 2026 liegen die prognostizierten globalen Jahreswachstumsraten für 2027 bei rund 8 %, für 2028 bei 6,4 %, für 2029 bei nur noch 5,3 % und für 2030 bei 5,2 %. Das Wachstum in Österreich folgt einem ähnlichen Trend. Nach 9% Wachstum im Jahr 2026 erwartet IQVIA eine Abschwächung auf 6% und damit über dem globalen Wachstumszahlen.

Die USA und Europa bleiben die zentralen Werttreiber
Die USA und Europa werden auch 2030 den größten Teil des globalen Pharmamarkts ausmachen. Laut aktueller Darstellung entfallen auf die USA rund 57 % und auf Europa rund 22 % des globalen Marktwerts. Genau deshalb wirken politische Eingriffe in diesen Märkten besonders stark: US-Zölle und „Most Favored Nation“-Diskussionen erhöhen die Unsicherheit für Preisstrategie und Launch-Reihenfolge; in Europa verschärfen Preisprüfungen, Budgetdruck und Patentabläufe den Druck auf realisierbares Wachstum. Die zentrale Frage ist damit weniger, ob diese Märkte groß bleiben, sondern wie viel des erwarteten Wachstums dort tatsächlich profitabel erreichbar ist.

China und Japan verlieren an Dynamik
Auffällig ist die schwache Wachstumsdynamik in zwei großen Märkten, die lange als zentrale Wachstumssäulen galten. China wird für 2025 bis 2030 nur noch mit einer CAGR von 1,7 % ausgewiesen, Japan mit 1,2 %. Beide Märkte bleiben aufgrund ihrer Größe relevant, liefern aber deutlich weniger zusätzliches Wachstum als die USA oder Europa. Für die Portfolio- und Launchplanung heißt das: China und Japan können nicht mehr pauschal als Wachstumsbeschleuniger eingeplant werden; Annahmen zu Preis, Erstattung und Volumen müssen dort deutlich vorsichtiger geprüft werden.
Top-Märkte 2030: mehr Kontinuität als Disruption
Die Rangliste der größten Pharmamärkte zeigt viel Stabilität an der Spitze: Die USA bleiben klar auf Platz 1, China auf Platz 2, Deutschland auf Platz 3 und Japan auf Platz 4. Dahinter kommt es zu relevanten Verschiebungen. Besonders auffällig ist, dass Großbritannien bis 2030 auf Platz 5 steigt und Frankreich auf Platz 7 zurückfällt. Brasilien überholt Spanien und erreicht Platz 8.
Die Prognose zeigt damit keinen einfachen Wachstumspfad, sondern eine stärkere Divergenz zwischen Märkten. Bis 2030 werden die größten Wertbeiträge weiterhin aus den USA und Europa kommen; China und Japan wachsen deutlich langsamer; einzelne Märkte gewinnen in der Rangliste an Gewicht. Für pharmazeutische Unternehmen bedeutet das: Marktattraktivität muss stärker länderspezifisch bewertet werden – nicht nur nach Größe, sondern nach realistischem Preisniveau, Erstattungschancen, Patent- und Wettbewerbsdruck sowie der Fähigkeit des Gesundheitssystems, neue Therapien tatsächlich aufzunehmen.
