Tip of the Iceberg: Die versteckten Kosten der Impfstoff-Kühlkette
Die globale Impfstoffversorgung ist eine Erfolgsgeschichte: Schätzungen zufolge wurden durch weltweite Impfprogramme bereits über 154 Millionen Leben gerettet. Doch hinter dieser Errungenschaft verbirgt sich eine komplexe Herausforderung, die oft unterschätzt wird – die Kühlkette. Das IQVIA-Whitepaper „Tip of the Iceberg: Economic and Environmental Impact of the Vaccine Cold Chain“ zeigt, wie groß die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen tatsächlich sind und warum innovative Lösungen dringend notwendig sind.
Warum die Kühlkette so entscheidend ist
Die meisten Impfstoffe müssen konstant zwischen 2–8 °C gelagert werden, manche sogar bei -20 °C oder – wie mRNA-Impfstoffe – bei bis zu -80 °C. Diese Anforderungen machen die Kühlkette zu einem der komplexesten Teile der pharmazeutischen Lieferkette. Sie umfasst Kühlräume, spezielle Transportbehälter, Fahrzeuge und Lagerstätten – alles mit dem Ziel, die Wirksamkeit der Impfstoffe zu erhalten.
Doch diese Komplexität hat ihren Preis: Temperaturabweichungen sind trotz aller Bemühungen häufig. Studien zeigen, dass in bis zu 33 % der Fälle in Industrieländern und 37 % in einkommensschwachen Ländern Impfstoffe außerhalb der empfohlenen Temperaturbereiche gelagert oder transportiert werden. Die Folgen sind gravierend: Impfstoffe verlieren ihre Wirksamkeit, müssen vernichtet werden oder – schlimmer noch – werden verabreicht, obwohl sie nicht mehr voll wirksam sind. Das gefährdet nicht nur die öffentliche Gesundheit, sondern auch das Vertrauen in Impfprogramme.
Die ökonomische Dimension
Das Whitepaper beziffert die jährlichen Kosten der Kühlkette für Europa auf 21,5 Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt auf die Lagerung (82,6 %), gefolgt von Verlusten durch Verderb (17,3 %). Transportkosten spielen dagegen eine untergeordnete Rolle (0,1 %), da die Kühlanforderungen primär in der Lagerung entstehen.
Besonders problematisch ist die Wastage-Rate: Durch Temperaturabweichungen und Ablaufdaten gehen im Schnitt 16 % der Impfstoffe verloren – bei bestimmten Impfstoffen sogar bis zu 25 %. Hinzu kommen die Kosten für Revaccination, wenn Patienten mangelnd wirksame Impfstoffe erhalten haben. Ein Beispiel aus Australien zeigt die Tragweite: Dort mussten über 1.000 Patienten erneut geimpft werden, weil die Lagerung nicht den Vorgaben entsprach.
Wirtschaftlicher Kostenvergleich von Kühlkette vs. thermostabilen Impfstoffen
Um die potenziellen Kosteneinsparungen in Europa zu verstehen, wenn von Kühlketten-Impfstoffen auf einen hypothetischen thermostabilen Impfstoff umgestellt wird, der keine Temperaturkontrolle erfordert wurden verschiedene Annahmen getroffen. Im Basisszenario wurde eine Reduzierung der Lagerkosten auf 29 % geschätzt, während das Best-Case-Szenario eine Reduzierung auf 14 % prognostizierte. Die Transportkosten wurden als konstant angenommen, da die Art und die Kosten des Transports voraussichtlich gleich bleiben. Zusätzlich nahmen wir eine Reduzierung des Impfstoffverlusts um 50 % an, wodurch er von 13 % auf 6,5 % sank – ausschließlich aufgrund des Verfalls, ohne Verluste durch Temperaturexzesse. Im Best-Case-Szenario gingen wir von keinerlei Verlusten aus.
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Die ökologische Belastung
Neben den finanziellen Kosten verursacht die Kühlkette erhebliche CO₂-Emissionen. Die pharmazeutische Lieferkette trägt 55 % mehr Treibhausgasemissionen pro Umsatz-Dollar bei als die Automobilindustrie. Angesichts der Klimaziele – etwa der NHS-Verpflichtung zur Klimaneutralität bis 2040 – ist klar: Die Branche muss handeln.
Thermostabile Impfstoffe als Lösung
Das Whitepaper zeigt einen vielversprechenden Ausweg: thermostabile Impfstoffe, die bei bis zu 30 °C gelagert werden können. Diese Technologie würde die Kühlkette weitgehend überflüssig machen, die Kosten drastisch senken und die Umweltbelastung minimieren. Erste Ansätze sind bereits in der Entwicklung, doch die breite Implementierung erfordert Investitionen und regulatorische Anpassungen.
Fazit: Ein Weckruf für die Branche
Die Kühlkette ist mehr als eine logistische Herausforderung – sie ist ein Kosten- und Nachhaltigkeitsfaktor, der bisher unterschätzt wurde. Mit steigender Zahl temperaturempfindlicher Biologika wird das Problem weiter wachsen. Die Lösung liegt in Innovationen wie thermostabilen Impfstoffen und nachhaltigen Lieferkettenstrategien. Wer hier frühzeitig handelt, sichert nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit.
Das gesamte, kürzlich veröffentlichte Whitepaper des IQVIA EMEA Thought Leadership Teams finden Sie unter diesem Link:
Tip of the Iceberg: Economic and Environmental Impact of the Vaccine Cold Chain – IQVIA
Auf den nachfolgenden Seiten haben wir außerdem wieder einzelne Produktkategorien herausgegriffen und näher für Sie analysiert sowie die Marktführer in den einzelnen Segmenten beleuchtet. Alle Marktanalysen stammen aus unserem Apothekenfeedbacksystem PIPOS (IQVIA Pharmacy Intelligence POS).
Mit besten Grüßen
Beatrix Linke
Country Lead Austria
